Essstörungen sind Entwicklungsstörungen. Sie beginnen üblicherweise in Phasen der körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklung innerhalb eines Lebenskontextes über die gesamte Lebensspannte hinweg vor dem Hintergrund der persönlichen Biografie. In Entwicklungsphasen ist der Mensch stark beansprucht und herausgefordert – auf der körperlichen, seelischen und geistigen Ebene. Er steht beispielsweise unter hormonellen Veränderungen, ist vom Gefühlsleben her mit neuen Themen konfrontiert, beispielsweise mit Ängsten oder Aggressionen, Unsicherheiten. Er ist auf der geistigen Ebene mit neuen Zielen konfrontiert – schulischen, beruflichen oder sozialen. Das ganze Wesen wird herausgefordert.

Es sind besondere Menschen, welche mit Essstörungen reagieren. Sie sind sensibel, empfindsam, begabt und können die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen häufig gut spüren. Es sind Menschen mit vielfältigsten Potentialen, welche an sich selbst hohe Ansprüche stellen, sich hohe Ziele setzen, denen häufig auch viel gelingt und gelungen ist, welche die Umgebung auch stolz machten.

Die Essstörung ist eine Reaktion auf die Belastung, die teilweise nicht bewusst wahrgenommen wird. Die Essstörung ist eigentlich ein Lösungsversuch: Es wird versucht, Kontrolle und Halt zu finden, Spannung abzubauen, das Gleichgewicht wieder herzustellen, sich gegen die inneren und äusseren Stressoren abzugrenzen. Mit der Zeit wird dieser Lösungsversuch destruktiv und zu einem selbständigen Stressor. Er kann nicht mehr aufgegeben werden und übernimmt die Herrschaft. Die Menschen fühlen sich dann gefangen und leiden teilweise sehr.